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Braucht Ellwangen einen Mietspiegel?

Auch in Ellwangen steigen seit Jahren die Mieten. Die Landes-SPD schätzt in einem Programmpapier zum Thema “Wohnen” die Situation für ganz Baden-Württemberg als angespannt ein.
Was tun? Vielfach wird gefordert, mehr Wohnungen zu bauen. Maßnahmen wie Mietendeckel oder die Mietpreisbremse würden den freien Markt einschränken und keine einzige zusätzliche Wohnung verfügbar machen. Das ist richtig. Einerseits. Doch warum nicht beides tun und dem angespannten Wohnungsmarkt eine Verschnaufpause gönnen, bis neue Wohnungen gebaut sind?
Um die Situation in Ellwangen transparent zu machen, hat sich der Ortsverein der SPD mit der Frage auseinandergesetzt, ob ein Mietspiegel für Ellwangen hilfreich wäre. Einerseits könnte er, wie das in Aalen bereits der Fall ist, für Klarheit sorgen und einen Überblick darüber bieten, welche Mieten derzeit bezahlt und verlangt werden. Andererseits erfasst ein Mietspiegel nur die Neuvermietungen und die veränderten Bestandsmieten der letzten vier Jahre. Das heißt, diejenigen Mieten, die seit über vier Jahren unverändert sind, werden nicht erfasst, was zu einer Durchschnittsmiete pro Quadratmeter führen kann, die erheblich über dem liegt, was viele Ellwanger Mieter derzeit zahlen. Die Stadt München hat bei der Bundesregierung bereits mehrfach gefordert, den Mietspiegel dahingehend neu zu definieren, dass auch die unveränderten Bestandsmieten aufgenommen würden. Damit würde der Mietmarkt realistisch abgebildet werden - und der durchschnittliche Quadratmeterpreis sinken. Bei der derzeitigen Berechnungspraxis könnten in Ellwangen Mieterhöhungen gefordert werden, die genau die Situation verschärfen, die durch die Transparenz eines Mietspiegels gemildert werden sollte. Kontraproduktiv also.
Ellwangen tut Zuzug gut. Junge Leute, Fachkräfte, Familien, Senioren, egal woher sie kommen, bereichern das Leben in der Stadt, durch die Vielfalt ihrer Lebensentwürfe und kulturellen Hintergründe. Wer jedoch neu nach Ellwangen kommt und eine Wohnung oder ein Haus zur Miete sucht, tut sich schwer.

Quadratmeterpreise bis zu 11 Euro kalt sind keine Seltenheit.  Viele Ellwangerinnen und Ellwanger sind glückliche Eigenheimbesitzer. Nicht nur das, viele haben Einliegerwohnungen, die nicht vermietet sind, aus welchen Gründen immer. Das ist schade.  
Die SPD Ellwangen will daher darauf hinwirken, dass die Besitzer leerstehender Wohnungen mit möglichen Mietern in Kontakt kommen können, so wie es die Wohnraumoffensive des Landkreises un der Städte Aalen, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd beabsichtigt. Wir wollen auch, dass Ellwangen eine Wohnungsbaugesellschaft erhält, die dafür sorgt, dass der städtische Wohnungsbau angekurbelt und zu fairen Mieten vergeben wird, dass Sanierungen, Renovierungen und Vermietungen in den Altstadthäusern attraktiver werden, dass seniorengerechtes, barrierefreies Wohnen in der Stadt möglich ist, wodurch Einfamilienhäuser frei werden könnten, die inzwischen oft nur noch 1-2 Personenhaushalte sind.
Unser Ziel ist die Belebung der Stadt. Und das kann nur durch die Menschen geschehen, die hier leben, einkaufen, wohnen. Und zwar zu bezahlbaren Mieten, die ihnen noch Spielraum lassen, Geld für anderes auszugeben: für die Restaurants, das Kino, die Kultur und Einkäufe in der Stadt.  
Um diese Ziele zu erreichen, braucht es den Mietspiegel so lange nicht, so lange seine Parameter nicht wie oben erwähnt verändert wurden und er die Mietensituation, die langjährigen Bestandsmieten eingeschlossen, realistisch abbildet.

BEATE ROTHMAIER

AUTORIN/TEXTERIN

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