Kolumne
André Zwick
Ambitionslosigkeit kann man der Ellwanger Kommunalpolitik nicht vorwerfen.
Im Gegenteil: Ambitioniert sind alle Projekte. Aber übernimmt sich die Stadt oder ergreift sie viel mehr Chancen, die sonst nie wieder kommen?
Für uns als Gemeinderäte der SPD gilt: Der für 2026 geplante Schuldenstand ist ein Höchststand.
Dennoch sind diese Projekte richtig und notwendig. Gartenschau, Industriegebiet, Baugebiet Konversionsgelände und EATA.
Markante Ellwanger Gebäude stehen leer
Fritz Taschinski
Die Gefängnismauer ist mit Graffitis besprüht, die Farbe am blau-grünen Metalltor blättert großflächig ab. Häftlinge sind hier keine mehr untergebracht, seit dem 1. April 2016 steht das 1881 errichtete Ellwanger Gefängnis leer. Nachdem Stadt und Justizverwaltung abgewinkt hatten, wurde es schließlich an einen Investor verkauft.
Versteckt hinter hohen Mauern wartet das graue Gebäude mit den 770 m2 Nutzfläche darauf, einer neuen Bestimmung zugeführt zu werden. Im Gespräch war der Umbau zu einem eher außergewöhnlichen Hotel – keine schlechte Idee, auch im Hinblick auf das Jahr 2026 und die Landesgartenschau.

Szenen- und Ortswechsel: In der Oberen Straße, etwas eingezwängt zwischen dem Palais Adelmann und der Weinstube Kanne, befindet sich das Haus Fischer. Uhren wurden hier früher verkauft und repariert, 2009 erwarb die Stadt Ellwangen die Immobilie. Hier soll ein barrierefreier Zugang zum Palais Adelmann ge- schaffen werden. Wir wünschen uns die baldige Umsetzung, nicht zuletzt, um dem Palais Adelmann mehr und neues Leben einzuhauchen.
Mehr Leben wünscht man sich auch ein paar Meter weiter in der Spitalstraße, wo in dem früheren Bekleidungshaus Schmid, danach K&L, zwar die Türen verschlossen, aber die Schaufenster mit zeitgenössischer Kunst gefüllt sind.
Wie Hass im Netz uns verändert und wer davon profitiert
Nils Einfeld
Das Internet ist ein Mittel des Realitätsverlusts. Es schließt nicht abends um acht und ist überall zugänglich. Es bietet dem Menschen die Möglichkeit, sich für nahezu unbegrenzte Zeit weder mit sich selbst, noch mit seiner Umgebung beschäftigen zu müssen.
Jedoch vereinfacht es nicht nur die Ablenkung durch unbegrenzten Zugang zu medialem Content, es vereinfacht auch die zwischenmenschliche Interaktion, indem man sich nach einem Posting nicht mit einer verbalen und erst recht nicht mit einer non-verbalen Antwort auseinandersetzenmuss. Denn diese kommt höchstens im harmlosen Gewand einer Pop up-Nachricht, wie wir sie täglich zu hunderten erhalten.
Zu Besuch bei einem müllfressenden Monster
Ariane Bergerhoff
Neunundzwanzig Kilo sogenannter Leichtverpackungen fielen 2020 pro Kopf im Ostalbkreis an. Das sind für Ellwangen 710 Tonnen.
Ich will herausfinden, wo der Verpackungsmüll landet. Die GOA konnte mir nicht sagen, wo die Gelben Säcke hinkommen. Denn die GOA sammle die Säcke nur ein, so die Antwort am Telefon. Jemand anders hole diese in der Deponie ab. Seit 2004 gehört die GOA zu 51% dem privaten Entsorgungsunternehmen Hörger aus Sontheim.
Ich rufe dort an und bekomme sofort einen Termin. Gerne zeige man mir, was man mit Verpackungsmüll mache. Etwas mehr als 10% des Verpackungsmülls aus dem Ostalbkreis landen dort.
In Sontheim werde ich freundlich empfangen. Klar wird, dass Recycling für die CO2-Bilanz Sinn macht, nur nicht immer wirtschaftlich ist. Das große Problem beim Recycling sei die Art, wie Verpackungen konzipiert seien. Aber das, so Herr Sikiera, wolle er mir live und in Farbe zeigen.
Wir laufen zu den Hallen, in denen die Gelben Säcke landen. Müllberge empfangen mich. Lautstark arbeitet eine gigantische Maschine, die auf der einen Seite mit Gelben Säcken gefüttert wird, zwischendrin Tetra Paks, Plastikfolien, PET und verwertbare Rohstoffe auswirft. Am Ende spuckt sie aus, was weder sortierbar noch wiederverwertbar ist. Ich erklimme die Stufen. In den Gitterlöchern stecken alte Kaffeekapseln. Sinnbild für den verschwenderischen Umgang mit wertvollem Aluminium.
Die rückläufige Entwicklung der Bahn und ihre Folgen
Nils Einfeld
Die Bahn ist ist das Transportmittel der Zukunft, oder zumindest sollte sie es sein. Denn sie ist effizient, platzsparend und umweltfreundlich. Doch die Länge des Gesamtschienennetzes geht in Deutschland bereits seit den vierziger Jahren kontinuierlich zurück. Laut dem ifo Institut ist mit einem Rückbau von 15 000 Streckenkilometern in den vergangenen 70 Jahren mehr als jeder vierte Streckenkilometer des deutschen Eisenbahnnetzes stillgelegt worden. Allein in Baden-Württemberg wurden der EBA zufolge seit 1994 achtundzwanzig bundeseigene Strecken stillgelegt.Dass die Bahn besonders im Geburtsland des Automobils traditionell Popularitätsschwierigkeiten hat, scheint einleuchtend. Doch auch darüber hinaus gibt es einige Faktoren, die sie bei uns eher unbeliebt machen. Neben gelegentlichen Pöbeleien alkoholisierter Fußballfans und der ständigen Angst, den Anschlusszug zu verpassen, ist es der Preis, der sparsamen Schwaben das Bahnfahren schwer macht.

Beate Rothmaier
Kopfüber steckt das Pferd in seiner Holzkiste. Peter Guth hat das Kunstwerk im Auftrag der SPD- Fraktion geschaffen. Im Jahr 2000 stand es vor der Basilika und verstörte manchen Kirchgänger, manche Pferdeliebhaberin. Davon scheint nichts geblieben zu sein. Der Künstler ist verstorben, das Pferd mitsamt seiner Kiste verschwunden, selbst das Original- foto existiert nicht mehr...
Geblieben ist der unsägliche Umgang mit der Natur, der Transport von Lebendtieren auf Lastwagen und Schiffen um die Welt, selbst die Eintagsfliege stirbt aus.
Zwar hängt auch die Guernica-Deckenleuchte aus Picassos Gemälde nicht mehr über den Pferdebeinen. Sie ist mit dem Kunstwerk verschwunden, doch ihre Glühbirne brennt noch. Und symbolisiert wie 1937 Terror und Zerstörung, die die Menschen allen Lebewesen auch einander immer noch antun: in Guernica, Srebrenica, Grozny, Aleppo, Butscha, Mariupol...
Wer kennt sich in Ellwangen aus?

Ob die drei freundlichen Wesen und der windverblasene Vogel alles gutheißen, was in dem Gebäude hinter ihnen geschieht? Darin arbeiten jeden Tag viele Menschen, und auch Sie haben es sicher schon betreten. Dies ist eine so genannte Supraporte-Kartusche und wir fragen Sie:
WO IN ELLWANGEN IST SIE ZU FINDEN?
Die Lösung finden Sie, wenn Sie auf "weiterlesen" klicken.
Ein Gespräch mit Thomas Geist, Schulleiter der Marienpflege
Die Fragen stellte Ariane Bergerhoff. Hier lesen Sie das Interview in voller Länge.

„Der Höhepunkt der Omikron-Welle ist überschritten“ so unser Gesundheitsminister Karl Lauterbach am 15. Februar 2022. Herr Geist, wie fühlen Sie sich?
Ich fühle mich derzeit erschöpft! In den letzten zwei Jahren kam für uns Schulleitungen das Corona-Management an der Schule und gleichzeitig die Digitalisierung mit den unterschiedlichen Förderprogrammen, zu unserer alltäglichen Arbeit einfach hinzu.
Von den Schulschließungen waren Ihre Schülerinnen und Schüler betroffen. Konnten Sie diese in den Wochen zuhause überhaupt erreichen? Wie ist es Ihnen gelungen? Wo sehen Sie Erfolge und wo gab es Probleme?
Ich arbeite ja einem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum, das bedeutet, unsere Lehrer kennen die individuellen Bedürfnisse der Schüler und ihren Familien etwas besser als an vielen allgemeinen Schulen. Es war uns immer wichtig, nicht nur irgendwie den Lernstoff zu vermitteln, sondern insbesondere den Kontakt zu den Familien zu halten. Häufig haben die Lehrer ihre Lernpakete mit dem Auto ausgefahren, so dass immer auch noch Zeit blieb, an der Haustüre mit den Kindern oder Eltern zu sprechen. Besonders die älteren Schüler haben wir über Videokonferenzen unterrichtet, was nicht immer ganz einfach war, da jede Familie ganz unterschiedliche Voraussetzungen in Bezug auf digitale Ausstattung wie W-LAN und so weiter hat.
Was hat Ihnen besonders zu schaffen gemacht? Was muss besser werden und welche Unterstützung brauchen Sie als Schule?
Die Pandemie kam für alle ja recht schnell und ohne große Vorankündigung. Was aber in den letzten Jahren im Bereich der Digitalisierung von politischer Seite her verschlafen wurde, fiel uns nun umso schwerer auf die Füße. Gleichzeitig war während des ersten Lock-Downs eine große Verunsicherung bei allen deutlich spürbar. Am schwersten hatten es aber die Eltern, die plötzlich im Spannungsfeld ihrer eigenen Arbeitsstelle und dem Homeschooling ihrer Kinder gestanden haben. Das war für Familien mit mehreren Kindern oder für Alleinerziehende fast nicht zu bewältigen. Erst, als der Begriff „Notbetreuung“ etwas weiter gefasst wurde, gab es eine leichte Entspannung. Somit konnten wir viele Kinder wieder besser in den Präsenzunterricht einbinden und die Familien entlasten.
Viele sagen, dass die Digitalisierung an den Schulen einen enormen Schub erhalten hat und man so der Situation wenigstens ein bisschen etwas Positives abgewinnen könnte. Wie sehen Sie das?
Vom Grundsatz her kann ich dieser Aussage gerne folgen. Innerhalb kurzer Zeit gab es unterschiedliche Förderprogramme: Der Digitalpakt 2019-2024 als „das“ große Paket, die Schüler- und Lehrerleihgeräte, die IT-Administration – sprich: es stand innerhalb sehr kurzer Zeit relativ viel Geld zur Verfügung und musste fristgerecht verausgabt werden.
Wie geht es Ihren Schülerinnen und Schülern heute?
Ich würde hier in zwei Schülergruppen unterscheiden: Es gibt diejenigen, die froh und dankbar sind, wieder in Gemeinschaft lernen zu können. Die andere Gruppe tut sich enorm schwer, sich wieder in die Gemeinschaft einzufinden. Da das Medienangebot zuhause oft attraktiver ist als in der Schule, haben sich einige Kinder an lange Zeiten vor ihren Spielkonsolen und ähnlichem gewöhnt. Einige Schüler sind „wie abgetaucht“.
Wie war die Zusammenarbeit mit den Eltern? Wie war deren Rückmeldung?
Zu Beginn der Pandemie mussten wir zuerst mal alle E-Mail-Adressen der Erziehungsberechtigten abfragen, da der übliche Kommunikationsweg in Briefform recht aufwändig und kompliziert gewesen wäre. Ich habe dann in regelmäßigen Abständen die Eltern über Veränderungen im Schulbetrieb informiert, fast jede Mail endete mit „… ich danke für ihr Vertrauen und Verständnis..!“ Das war aber keine leere Floskel, sondern sehr ernst gemeint: Bis auf wenige Ausnahmen haben die Eltern die Maßnahmen wie die Test- und Maskenpflicht bis hin zur kompletten Schließung der Schule akzeptiert und mitgetragen.
Wie wollen Sie entstandene Lern- aber auch Erlebens-Lücken bei den Schüler*innen schließen?
Derzeit führen wir das Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ durch. Dieses Programm soll dazu dienen, entweder entstandene Lernlücken in den Kernfächern zu schließen oder auch Rückstände in sozial-emotionaler Entwicklung auszugleichen.
Welche Hilfestellungen wären nun sinnvoll?
Derzeit steht noch die Krisenbewältigung an. Wenn die Einschränkungen mal vorbei sind, würde ich mir aber von der Landesregierung wünschen, dass die Schulen etwas Zeit bekommen, sich selber wieder etwas sortieren zu können, um an ihren Kernthemen der Schulentwicklung zu arbeiten. Bitte nicht gleich wieder die nächsten Vorgaben, die umzusetzen sind.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Meine Hoffnung ist, dass wir als Schule nicht dem Effekt „Zurück zur Normalität“ unterliegen. Die „neue Normalität“ wird dann gut sein, wenn wir die richtigen Lehren aus der Pandemie ziehen, also Antworten auf Fragen finden wie zum Beispiel: „Wie können wir in Zukunft viel besser die benachteiligten Schülergruppen einbeziehen und erreichen?“ Es bleibt aber keine rein schulische Herausforderung: Auch innerhalb der Kommune müssen wir diese Frage beantworten, etwa über Ferien- und Freizeitprogramme, die den Kindern und Jugendlichen den Mehrwert von Gemeinschaft vermittelt. Für mich als Schulleitung wünsche ich mir natürlich mehr zeitliche Entlastung für die vielfältigen Aufgaben.
Das auf dem Konversionsgelände geplante Wohngebiet soll ein innovatives Leuchtturm- projekt werden – absolut ambitioniert hinsichtlich Klimaschutz, Energieautarkie, Ökologie, Wohn- und Lebensqualität, Verkehrsberuhigung und besonders auch mit einem umfangreichen Wohnungsangebot für Menschen mit kleinerem Geldbeutel. Aus den Reihen von allen Fraktionen wurde der in der Gemeinderatssitzung im Dez. 2020 von der Verwaltung vorgelegte städtebauliche Planentwurf grundsätzlich positiv und in die richtige Richtung gehend bewertet, von uns allerdings in einigen Bereichen noch nicht als mutig genug angesehen. Deshalb haben wir zur Gewinnung weiterer guter Ideen und zur weiteren Auseinandersetzung mit der städtebaulichen Grundstruktur des Planes gemeinsam mit Bündnis90/Die Grünen die Durchführung eines städteplanerischen Wettbewerbs beantragt. Weder die BürgerPlanungsWerkstatt noch die Investoren-Architekten-Wettbewerbsverfah- ren können den städtebaulichen Wettbewerb ersetzen. Leider erhielten wir dazu bei der Abstimmung im Oktober 2021 keine Mehrheit. Aus unserer Sicht eine absolut vertane Chance zur Optimierung der Planungen für das in diesem Jahrzehnt in verschiedenster Hinsicht sicherlich wichtigste Ellwanger Wohngebiet. Jetzt müssen wir die städtebaulichen Impulse auf anderem Weg suchen. Z. B. in einer Veranstaltung von Bündnis90/Die Grünen zu einer wissenschaftlichen Arbeit von Studenten der Hochschule Nürtingen am 28.03.22. Oder bei einer Veranstaltung der SPD Ellwangen mit Andrea Schwarz, Bürgermeisterin in Ludwigsburg für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften, am 12.04.22 um 19:00 Uhr im „Roten Ochsen“.
Der erweiterte SPD-Kreisvorstand hat sich in seiner jüngsten, digitalen Sitzung mit aktuellen politischen Fragen beschäftigt.
Bei der Auseinandersetzung mit der aktuellen Corona-Lage hatte man wenig Verständnis für die vorgesehenen Lockerungen in eine wieder ansteigende Infektionswelle hinein. „Es wäre gut, wenn im Gesetzgebungsverfahren wenigstens die Maskenpflicht im öffentlichen Raum als erwiesenermaßen wirksame Schutzmaßnahme erhalten bliebe,“ stellte dazu der stellvertr. Kreisvorsitzende Jakob Unrath fest. In der Diskussion sprach sich der SPD-Kreisvorstand auch für die allgemeine Impfpflicht aus, da diese als vorausschauende Maßnahme für den kommenden Herbst am effektivsten sei, um das öffentliche Leben nicht erneut zu gefährden.