OV-Zeitung
Fragen eines 20-jährigen GenossenNils Einfeld im Interview mit Dr. Alfred Geisel
Wie hat sich das Thema Erinnerungskultur im Laufe der Zeit verändert?
Es zählt zu den bitteren Erkenntnissen der deutschen Nachkriegsgeschichte, dass nahezu zwei Jahrzehnte vergehen mussten, bis sich die deutsche Öffentlichkeit anschickte, sich offen und kritisch mit den Ursachen und den verheerenden Folgen der Nazi-Diktatur und den Verbrechen ihrer Täter und Helfershelfer zu beschäftigen. Obwohl die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse der Jahre 1946 – 1948 die unglaublichen Dimensionen dieser Verbrechen erahnen ließen, standen die weit verbreiteten Vorurteile einer vermeintlichen „Siegerjustiz“ und Not und Elend unserer Landsleute als Folge der totalen Niederlage des NS-Regimes einer solchen Auseinandersetzung hindernd im Wege. Begünstigt wurde dieses sträfliche Unterlassen durch die Tatsache, dass nach dem weitgehenden Fehlschlag der von den Siegermächten betriebenen sogenannten Entnazifizierung wichtige Schaltstellen in Verwaltung und Justiz der jungen Bundesrepublik mit Persönlichkeiten besetzt wurden, die eng mit dem verbrecherischen NS-Regime verwoben waren. Beispielhaft sei nur an den von Konrad Adenauer berufenen langjährigen Staatssekretär im Bundeskanzleramt Hans Globke erinnert, der als Verfasser und Kommentator der 1935 erlassenen Rassengesetze die Grundlage für die systematische Ermordung von 6 Millionen Juden aus Deutschland und weiten Teilen Europas schuf.
Es bedurfte des vielfach angefeindeten Bemühens einzelner von den Nazis verfolgten Persönlichkeiten und der Studentenbewegung Anfang der 69iger Jahre, dieser verhängnisvollen Politik der Verniedlichung, der Verdrängung, ja der Leugnung der NS-Verbrechen langsam ein Ende zu setzen.
Hans-Jochen Vogel; "Mehr Gerechtigkeit"von Werner Trost
Hans-Jochen Vogel befasst sich mit einer von Medien und Politik überhaupt nicht wahrgenommenen zentralen Ursache des rapiden Anstiegs der Mieten und dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum: Der enormen Steigerung der Baulandpreise. Um dem Anstieg entgegenzuwirken, führt der Autor verschiedene Maßnahmen auf, wobei er ein Kernziel im Übergang von Eigentum an Grund und Boden in dem für Wohnungsbau erforderlichen Umfang auf die Gemeinden sieht, was auch verfassungskonform durch eine neue Bodenordnung ausgestaltet werden könne. Außerdem schlägt er einen Planungswertausgleich vor, um leistungslose Bodengewinne abzuschöpfen.
Es bleibt zu hoffen, dass sich insbesondere unsere Partei mit seinen Ideen (mehr) auseinandersetzt.
ISBN 9783451821462, Herder Verlag, 2020, 12.- €.
Leni Breymaier - Unsere Frau in BerlinLiebe Ellwangerinnen und Ellwanger,
seit vier Jahren darf ich unsere schöne Region im Bundestag vertreten. Es ist mir meistens eine Freude und immer eine Ehre. Ich hätte nicht gedacht, mit den zwanzig Prozent, die meine SPD vor vier Jahren erreicht hat, so viele auch mir wichtige Punkte durchsetzen zu können. Reden Sie noch über die Wiedereinfüh- rung der Parität in der gesetzlichen Krankenversicherung mit Ihrer Nachbarin? Sind die Rücknahme beschlossener Rentenkürzungen und die Einführung der Grund- rente beim Kaffeetisch mit der Verwandtschaft Gesprächsthema? Freuen Sie sich am Monatsende mit Ihren Kolleginnen und Kollegen über die Abschaffung des Soli? Weiß man in der Schule Ihrer Kinder noch, wie hoch die Kindergelderhöhung war?
Ich denke, die Maßnahmen zur Pandemiebewältigung haben die Allermeisten auf dem Radar. Wir konnten mit dem erhöhten und verlängerten Kurzarbeitergeld zwei Millionen Arbeitsplätze retten. Auch wenn alle Maßnahmen zum Klimaschutz greifen, Transparenzregeln für Abgeordnete eingetütet sind, erste Schritte zur gerechteren Bezahlung in der Altenpflege getan sind, Freier, die Zwangsprostituier- te benutzen künftig bis zu drei Jahre ins Gefängnis müssen, fertig ist man ja nie.
Ich will mich weiter mit ganzem Elan in der Wahlrechtskommission einbringen, mich um bezahlbaren Wohnraum kümmern, endlich eine Bürgerversicherung, eine Rentenversicherung für alle, eine solide Gesundheitsversorgung, die die Beschäf- tigten nicht auslaugt und vieles mehr. Insbesondere wird die Frage im Raum ste- hen, ob die Pandemiekosten gerecht verteilt werden. Ein Blick ins SPD-Wahlpro- gramm lohnt sich wirklich: www.spd.de/zukunftsprogramm.
Für Ihre Anregungen, auch kritischen Rückmeldungen, den konstruktiven Aus- tausch in den letzten vier Jahren danke ich Ihnen sehr herzlich. Ich freue mich, wenn es weiter geht.
Beste Grüße nach Ellwangen! Glück auf und bis bald!
Ihre Leni Breymaier
Wir lieben Blumen.von Herbert Hieber
Sie sind für uns auch ein Identifikationssymbol. Die rote Nelke und die rote Rose waren für die älteste demokratische Partei in Deutschland seit Beginn ihrer 158jährigen Geschichte wich- tig, und sind es auch heute noch.
Nun erweitern wir den Blumenstrauß für Ellwangen um die Lilie. Die bourbonische Lilie ziert das Stadtwappen als Erinnerung an die Kloster- stifter Hariolf und Erlolf aus Langres. Doch diese Lilie ist keine royale mehr, sondern Symbol unserer Arbeit für die Menschen und für unsere Stadt. Und dass die Lilie rot ist, versteht sich von selbst, denn der Einsatz für Demokratie und soziale Gerechtigkeit war immer auch rot und wird es weiterhin sein.