Die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA-Ostalb) hat auf ihrer jüngsten Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Im Rechenschaftsbericht ging der Vorsitzende Daniel Sauerbeck auf die digitalen Angebote ein, die die AfA-Ostalb für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Pandemiezeiten angeboten hatte.
Zahlreiche Gespräche mit Personal- und Betriebsräten habe der Vorstand organisiert und sich auch aktiv in den Landtagswahlkampf im Frühjahr eingebracht. „Wir haben als AfA die Zeit genutzt und uns den digitalen Angeboten angepasst. Genau so froh sind wir aber darüber, dass Präsenzsitzungen wieder möglich sind. Es ist - wie im Betrieb auch- die bessere Alternative“, so Sauerbeck. Inhaltlich habe sich die AfA im Berichtsjahr verstärkt mit den Themen Recht auf Home Office, den Corona-Folgen für die Wirtschaft, aber auch den Arbeitsbedingungen in den Kliniken auf der Ostalb auseinandergesetzt.
Ellwangen - Das Schmuckkästchen der Ostalbvon Ariane Bergerhoff
Will man das Leben in die Innenstädte zurückholen, muss man sich von der Idee verabschieden, dass vor allem das Einkaufen der Frequenzbringer der Zukunft sein wird. Nicht erst die Pandemie hat dazu geführt, dass unsere Innenstadt verödet. Bereits die Entwicklungen vor Jahren weg von kleinen Geschäften hin zu großen Geschäften in anderen Städten, die Mobilität der Kundinnen sowie das enorme Wachstum des Online-Shoppings haben ihren Teil dazu beigetragen, dass es nun so ist, wie es ist. Es stehen sehr viele Geschäfte in Ellwangen leer. Jedoch ist das Ende der monostrukturellen Überformung der Stadt gerade ihre Renaissance.
Ellwangen hat großes Potenzial. Ellwangens Innenstadt ist kein Juwel, nein, sie ist ein wahres Schmuckkästchen.
Die SPD Ellwangen freut sich über regen Zulauf. Gerade auf junge Menschen strahlt die Sozialdemokratie trotz aller Unkenrufe eine große Anziehungskraft aus. Auch in Ellwangen dürfen wir junge Sozialdemokrat:innen in unseren Reihen aufnehmen. Wir haben fünf gefragt, warum sie sich für die SPD entschieden haben, was ihnen wichtig ist und wer sie inspiriert. Lesen Sie hier ihre Antworten.
Gabriel Schuh, 17 Jahre, Ausbildung zur Pflegefachkraft
1. Warum SPD?
Der Name SPD steht für mich im Gleichklang mit sozialer Gerechtigkeit. Die Anliegen der Arbeiterschaft und der sozial Schwächeren müssen in einer Arbeitswelt und Gesellschaft, wie wir sie heute vorfinden, wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Diese Ziele können meiner Meinung nach nur von der SPD erreicht werden.
2. Was ist dir besonders wichtig?
Mir ist wichtig, nicht tatenlos dazusitzen und über alles zu schimpfen, was gerade falsch läuft. Mir ist wichtig, mich am Geschehen aktiv zu beteiligen und etwas zu ändern.
3. Für was trittst du ein?
Ich trete ein für ein soziales Deutschland, in dem man auch in 50 Jahren noch leben möchte und kann.
4. Welches Thema bekommt zu wenig Aufmerksamkeit?
In meinen Augen sind Themen wie Korruption, sowie technischer und gesellschaftlicher Fortschritt vollkommen unterrepräsentiert. Auch die sich verbreitende Ablehnung der Demokratie verlangt mehr Aufmerksamkeit.
5. Wer oder was inspiriert dich?
Große Persönlichkeiten, wie Prof. Dr. Karl Lauterbach, die es schaffen, schwere Sachverhalte einfach und für jeden verständlich wiederzugeben.
Lisa Steinau, 27 Jahre, Rechtsreferendarin
1. Warum SPD?
Die SPD ist für mich genau die Partei, die alle Themen, die in Zukunft und auch heute schon wichtig sind, im Blick hat und gute Lösungen anbietet. Klimaschutz, der so gestaltet werden muss, dass keiner benachteiligt wird und letztendlich alle von besserer Luft, einer guten Umwelt und gestiegener Lebensqualität profitieren können. Gute Bildungschancen, die allen zur Verfügung gestellt werden (ich denke da vor allem an die beitragsfreien Kita-Plätze schon in jungen Jahren) ohne Rücksicht auf den jeweiligen Background. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, hier hilft auch die verpflichtende Einführung von Home Office (wobei da natürlich auch im Blick behalten werden muss, dass Home Office dann nicht nur von Frauen* in Anspruch genommen werden (muss), um gleichzeitig die nötige Care Arbeit im Haushalt zu leisten). Vor allem wichtig finde ich bei der SPD, dass hier jede*r eine politische Heimat finden kann, egal, welcher Religion, welcher Hautfarbe oder welchen Geschlechts.
2. Was ist dir besonders wichtig?
Ich finde es wichtig, sich politisch zu engagieren, um so die eigenen Vorstellungen bestmöglich umsetzen zu können. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass ich jung und weiblich bin. Gerade diese Gruppe ist leider immer noch viel zu wenig repräsentiert, ob auf kommunaler Ebene oder in den Bundes- und Landesparlamenten. Dabei haben wir häufig einen anderen Blick auf Probleme, die durch neue Sichtweisen zu Lösungen beitragen können.

von Beate Rothmaier
Was mal eine Zeitungsente war, hat durch das Internet und dank der zugrunde liegenden Algorithmen eine Systematik und ein Ausmaß erreicht, die Kommunikationsexperten als demokratiegefährdend erachten. 85% der Deutschen halten Desinformation im Internet für ein großes Problem. Wie aber kann ich Fake News erkennen?
Wichtigste Frage: wer schreibt?
Das Impressum der Webseite klärrt darüber auf, wer die Information verbreitet. Ist es der Blog eines selbsternannten Experten? Steckt eine politische Initiative dahinter? Eine Suche nach den Namen deckt weitere Verbindungen auf.
Ist die Information 'umsonst'?
Qualitätsjournalismus, kostet Geld, denn Schreiben und Recherchieren sind ein Beruf und die Informationen der Bezahlmedien von einer Redaktion überprüft. Auch sind hochwertige Nachrichten auf Gefühlsreaktionen aus. Macht uns eine Information wütend oder neugierig? Dahinter stecken oft kommerzielle Interessen. So besteht 'Clickbaiting' aus einer reißerischen Überschrift mit einer Neugierlücke (curiosity gap), die uns dazu bringt immer weiterzuklicken: "So sah XY vor 50 Jahren aus. Schau, was aus ihm geworden ist!" Informationsgehalt gleich null.
von Beate Rothmaier
"Schafft sich ab", "zerlegt sich selbst", diese und andere Kommentare und Urteile politisch vermeintlich kluger Menschen, wie auch die Umfrage- werte der Meinungsforschungs- institute, sehen die SPD auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Woher der Abgesang? Brauchen wir die SPD noch? Welche Rolle spielen sozialdemokratische Errungenschaften in unserem Alltag?
Übrig bleiben: Negative Reste
Der Philosoph Odo Marquard hat das "Gesetz von der zunehmenden Penetranz der negativen Reste" formuliert. Damit meint er, dass bei der Abschaffung schlimmer Zu- stände oder bei der Lösung von Problemen, immer etwas unbe- wältigt zurückbleibt, und dass dieser Rest umso schwerer im Bewusstsein wiegt, je größere Verbesserungen vorher erreicht wurden: Wenn ich die ganze Wohnung blitzblank geputzt habe, fallen mir die drei Wollmäuse unterm Bett, die ich übersehen habe, umso deutlicher auf. Unfair, aber ein Gesetz der menschlichen Wahrneh- mung.
Was also hat die Sozialdemokratie außer dem Kniefall von Warschau, dem Standhalten gegenüber dem RAF-Terror, der Verweigerung in den Irakkrieg zu ziehen, diesem Land gebracht?
Vieles. Das Aufstiegsversprechen durch Bildung, gesetzliche Rente und Krankenversicherung, das Frauen- wahlrecht, der Achtstundentag, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Mitbestimmung, Abschaffung des §218, zuletzt die Ehe für alle, die Einführung des Mindestlohns und der Grundrente — all das sind Errun- genschaften sozialdemokratischer Politik. Vieles davon berührt den Alltag jedes Menschen, der in diesem Land lebt. Täglich. Das hat die Partei der Arbeit, die unermüdlich arbeitet, gebracht. Auch als Koalitionspartner, auch wenn sie nicht die Kanzlerin gestellt hat.
‘Misses‘ chilltvon Ariane Bergerhoff
Als ich die Nummer vom Lautenhof wähle, blickt mich das knitze Ferkel auf der Kontaktkarte keck an. Schon wieder ein Skandal, dieses Mal in Ulm. Das muss anders werden. Aber wie? Ich rufe bei Familie Brenner an, ob ich mal vorbeischauen dürfe. Gerne.
Also stehe ich an einem Freitagmorgen im Hof bei Brenners. Mit einem fröhlichen Lächeln und einem Ellenbogenschlag begrüßt mich Andreas, der Sohn der Familie. Kurz darauf erscheint sein Vater, Alois Brenner -ein Vorreiter der ökologischen Muttersauenhaltung im Ostalbkreis. Aktuell werden nur rund 9% der landwirtschaftlichen Flächen im Ostalbkreis ökologisch bewirtschaftet. Das ergeben meine Recherchen später zuhause am Schreibtisch. Erst jeder vierzehnte Betrieb von ungefähr 2.100 erhält Zuschüsse der EU für eine ökologische Wirtschaftsweise. Die übrigen hängen am Topf der EU-Agrarzahlungen für den konventionellen Landbau. Da ist Luft nach oben.
Ich möchte von Herrn Brenner wissen, warum er von der konventionellen Ferkelzucht auf Bioland umgestellt habe. Schuld daran sei Putins Griff nach der Krim, die Russlandsanktionen und der dadurch fallende Preis für Schweinefleisch. Einigen blieb nur der Ausstieg oder „einigen Halbverruggten“, so Brenner, die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft. Ferkel konventionell gewinnbringend zu züchten, geht auf Kosten des Tierwohls, der Umwelt und der eigenen körperlichen sowie seelischen Gesundheit. Konventionelle Ferkelzucht zu Billigpreisen ist für Alois Brenner keine Option mehr. Er bereut die Umstellung nicht – im Gegenteil.
Die Umstellung war 2016. Die ersten Schweine, die ich sehe, schauen mich zwar interessiert, aber äußerst gelassen an. Sie chillen im Auslauf im Freien auf Stroh. Schweine, die zu Billigpreisen in den Supermärkten enden, haben weder einen Auslauf noch jemals echtes Stroh gesehen, geschweige denn den Platz, der ihnen hier zur Verfügung steht.
Bei den Muttersauen steigt Alois Brenner in den Stall einer Schweinemama und ihren Ferkelchen.
Braucht Ellwangen eine Wohnbaugesellschaft?von Fritz Taschinski
Angebot und Nachfrage bestimmen unser Leben. So werden die Miete oder der Kauf einer Wohnung Jahr für Jahr teurer, weil das Angebot in den Städten und Gemeinden knapp und "Betongold" in Zeiten von Nullzinsen äußerst begehrt ist.
Auch in Ellwangen. Bei barrierefreien Wohnungen für Senioren und Behin- derte, bei Mietwohnungen für junge Familien, Singles und Menschen mit Migrationshintergrund herrscht akute Wohnungsnot. Die Erweiterung des Industriegebiets mit neuen Arbeitsplätzen wird die Nachfrage nochmals verstärken. Der SPD-Ortsverein und die SPD-Gemeinderatsfraktion plädieren deshalb schon seit Jahren für die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesell- schaft. Ein entsprechender Antrag wurde in den Gemeinderat eingebracht.
In Baden-Württemberg gibt es über 120 kommunale Baugesellschaften, die sich dem Gedanken des qualitätsvollen und preiswerten Wohnens verschrieben haben. Dazu gehören Städte wie Schwäbisch Gmünd, Aalen und Heubach. Warum nicht auch Ellwangen?
Während ein Teil des Gemeinderats dem Vorschlag der SPD-Fraktion zugestimmt hat, scheut die Verwaltung Risiko und Aufwand. Auch die CDU zeigt sich skeptisch. Dabei könnte eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft so vieles bewirken: Sie würde bezahlbaren Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung schaffen - und allein durch ihr Vorhandensein zur Dämpfung der Mietpreise beitragen. Sie kann aber noch viel mehr.
Vom Bohren dicker Brettervon Beate Rothmaier
Was kaum einer weiß, der Gemeinderat ist das höchste Organ der Stadt. Er steht noch über dem Oberbürgermeister. Anlass, mit Herbert Hieber, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD, einen Blick auf die Gemeinderatsarbeit zu werfen.
Schon seit 1947 ist die SPD im Rat vertreten. In der aktuellen Wahlperiode sind dies neben Hiebert: Jörg Böhmer, Joachim Zorn und André Zwick. Hieber gilt als 'Fahrensmann der SPD'.
Der gebürtige Gmünder nennt als Vorbild Erhard Eppler, dessen umwelt- und friedenspolitisches Engagement ihn tief geprägt habe - und natürlich Alfred Geisel, von dem er sehr viel gelernt habe. Beeindruckt von Brandts Ostpolitik, dem Kniefall in Warschau, aber auch der Studentenbewegung, habe Hieber vor allem dem SPD-Bildungsprogramm persönlich viel zu verdanken.
Ab 1980 kämpften er, Alfred Geisel, Hans Rieger, Dorothee Ulmer, Roland Fuchs und andere Unerschrockene für eine umsichtige Verkehrs- und Bodenpolitik, als in der Bundesrepublik noch das Ideal der autogerechten Stadt galt. Das hielt die Ellwanger SPD nicht davon ab, bereits in den 1980er Jahren für ein Baulückenkataster und ein Blockheizkraftwerk, das erste Radwegeprogamm und für Tempo 30 in Wohngebieten zu kämpfen.
Fragen eines 20-jährigen GenossenNils Einfeld im Interview mit Dr. Alfred Geisel
Wie hat sich das Thema Erinnerungskultur im Laufe der Zeit verändert?
Es zählt zu den bitteren Erkenntnissen der deutschen Nachkriegsgeschichte, dass nahezu zwei Jahrzehnte vergehen mussten, bis sich die deutsche Öffentlichkeit anschickte, sich offen und kritisch mit den Ursachen und den verheerenden Folgen der Nazi-Diktatur und den Verbrechen ihrer Täter und Helfershelfer zu beschäftigen. Obwohl die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse der Jahre 1946 – 1948 die unglaublichen Dimensionen dieser Verbrechen erahnen ließen, standen die weit verbreiteten Vorurteile einer vermeintlichen „Siegerjustiz“ und Not und Elend unserer Landsleute als Folge der totalen Niederlage des NS-Regimes einer solchen Auseinandersetzung hindernd im Wege. Begünstigt wurde dieses sträfliche Unterlassen durch die Tatsache, dass nach dem weitgehenden Fehlschlag der von den Siegermächten betriebenen sogenannten Entnazifizierung wichtige Schaltstellen in Verwaltung und Justiz der jungen Bundesrepublik mit Persönlichkeiten besetzt wurden, die eng mit dem verbrecherischen NS-Regime verwoben waren. Beispielhaft sei nur an den von Konrad Adenauer berufenen langjährigen Staatssekretär im Bundeskanzleramt Hans Globke erinnert, der als Verfasser und Kommentator der 1935 erlassenen Rassengesetze die Grundlage für die systematische Ermordung von 6 Millionen Juden aus Deutschland und weiten Teilen Europas schuf.
Es bedurfte des vielfach angefeindeten Bemühens einzelner von den Nazis verfolgten Persönlichkeiten und der Studentenbewegung Anfang der 69iger Jahre, dieser verhängnisvollen Politik der Verniedlichung, der Verdrängung, ja der Leugnung der NS-Verbrechen langsam ein Ende zu setzen.
Hans-Jochen Vogel; "Mehr Gerechtigkeit"von Werner Trost
Hans-Jochen Vogel befasst sich mit einer von Medien und Politik überhaupt nicht wahrgenommenen zentralen Ursache des rapiden Anstiegs der Mieten und dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum: Der enormen Steigerung der Baulandpreise. Um dem Anstieg entgegenzuwirken, führt der Autor verschiedene Maßnahmen auf, wobei er ein Kernziel im Übergang von Eigentum an Grund und Boden in dem für Wohnungsbau erforderlichen Umfang auf die Gemeinden sieht, was auch verfassungskonform durch eine neue Bodenordnung ausgestaltet werden könne. Außerdem schlägt er einen Planungswertausgleich vor, um leistungslose Bodengewinne abzuschöpfen.
Es bleibt zu hoffen, dass sich insbesondere unsere Partei mit seinen Ideen (mehr) auseinandersetzt.
ISBN 9783451821462, Herder Verlag, 2020, 12.- €.